Krieg und Militär: Jetzt auch bunt und queer

Die Bundeswehr ist mehr als bunt: Auch wenn bis heute Kasernen nach Wehrmachtsgenerälen benannt sind und das Kommando Spezialkräfte (KSK) wegen rechtsextremer Umtriebe, abgezweigter Munition und einer diesbezüglichen “Amnestie” des zuständigen Kommandeurs unter Druck geraten ist, soll kein Zweifel darüber aufkommen, dass das deutsche Militär aus der Geschichte gelernt hat. Schließlich hat das Bundesverteidigungs-Ministerium bereits 2012 die “Charta der Vielfalt” für Diversity in der Arbeitswelt unterzeichnet. “Auch in der Bundeswehr spiegelt sich die Vielfalt der Gesellschaft in großen Teilen wider”, erklärte seinerzeit Staatssekretär Thomas Kossendey.

Auch den heutigen Diversity-Aktionstag nutzt die Armee, um ihr Image zu pflegen und junge Menschen aller Hautfarben, Geschlechter und sexuellen Orientierungen für ihre Ziele zu gewinnen…

Werbe-Memes mit Sprüchen wie “Bei uns zählt deine Orientierung nur im Gelände” und Wortspielen wie “Queerbeet” hat die Bundeswehr im Vorfeld des heutigen Diversity-Aktionstags prominent bei Facebook platziert. Ganz so, als wolle die Bundeswehr mehr Anastasias und weniger Francos. Letztere dürften sich aber trotzdem zu dieser Armee hingezogen fühlen, solange es nach Hitlers zeitweiligem Lieblingsgeneral Erwin Rommel benannte Kasernen gibt.

Sind nun die Anastasias und Narimans reines “Whitewashing” oder ein unverzichtbares Gegengewicht, wo sich sonst ultrarechte, homophobe rassistische Kräfte breitmachen würden? Und: Was gilt für Rüstungskonzerne, die auch mit Waffenexporten an reaktionärste Regimes Profite machen, sich aber hierzulande mit queeren Angestellten schmücken wollen, die dort Probleme bekämen?…

Original-Beitrag am 18. Mai 2021 bei Telepolis erschienen

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